Das Publikum ist begeistert – vom Auftritt der Stadtkapelle und dem Jugendorchester gleichermaßen.

Komplette Dunkelheit im LWL-Festsaal, dann ein einzelner Lichtstrahl auf Dirigentin Anna Knülle gerichtet und schließlich auf rund 38 Musikerinnen und Musiker, einstimmend in die berühmte Eröffnungshymne „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss: „Genießen Sie mit uns den heutigen Abend“, mischten sich die Stimmen der beiden Moderatoren Johannes Heer und Marco Hesse in das Musikstück – ein würdiger Auftakt zum Winterkonzert der Stadtkapelle. Auch Vorsitzender Marcel Esser freute sich über die voll besetzten Reihen im Festsaal: „Schön, dass uns heute auch das neu gegründete Jugendorchester als Grundstein für den späteren Wechsel in das Hauptorchester unterstützt.“ Mit der Filmmusik „Music from Braveheart“ stieg die Stadtkapelle – zunächst ohne den Nachwuchs – beschwingt in das Programm ein. „Stellen Sie sich einfach vor, unser Flötist Kilian Robert würde in Engelskleid ein wenig Glitzerstaub über Sie rieseln lassen“, sorgten Heer wie Hesse mit humorvollen Ankündigungen der Stücke für so manch verdrückte Lachträne im Zuschauerraum. Publikum verzaubertUnd verzaubern taten die Mitglieder der Stadtkapelle ihr Publikum dann tatsächlich: Zart, vorsichtig setzten zunächst Flöte und Saxophon ein, immer lauter und dramatischer werdend kamen schließlich etwa auch Horn und Trompete zu einer Melodie hinzu, die die rund 200 Gäste längst in eine andere Welt entführt hatte. Der nahezu melancholische Charakter sorgte schon während des ersten Stücks des Abends für Gänsehaut-Momente. Geheimnisvolle, gar bedrohliche Klänge von Fanfaren und Trompetenhörnern verkörperten anschließend die Thematik des Stücks „Fate of the Gods“ von Steven Reineke, den Konflikt zwischen Gut und Böse, in Form von kontrahierenden, erstickten Trommelschlägen und klaren Triangel-Klängen. Spannungsverstärkende, kurze Spielpausen, unterbrochen durch dominierenden Schlagzeugeinsatz und dramatisch aufbrausende Passagen mit schnellen Fingerläufen seitens der Klarinetten: Besser hätte das „Schicksal der Götter“ wohl nicht charakterisiert werden können.Nach „Dona Nobis Pacem“ und Julius Fuciks bekannten „Florentiner Marsch“ eroberten zunächst die zwölf Mitglieder des Jugendorchesters die Bühne: Daniel Kunze und Leonard Kraß gaben den Zuhörern vor der Präsentation von „Playing together, so much better!“ und „McRonald’s Marsch“ von Jan de Haan einen humorvollen Einblick in ihre Proben – lang anhaltenden Applaus ernteten die jüngsten Musiker für ihren allerersten Auftritt vor großem Publikum. Sauerländisch angekündigtWas bot sich besser an, als das nächste Stück eines Komponisten aus Arnsberg sauerländisch anzukündigen? „A little Opening“ von Thiemo Krass mit „rhythmischen Figuren im tiefen Blech“ – wie das Moderatorenteam versprach – war nicht das einzige Musikstück, das die Zuhörer über den Rand des Festsaals symbolisch hinausblicken ließ: Eindrücke von der Zeit des wilden Westens bekamen sie mit „Moment for Morricone“, anschließend ging es in den Urwald mit einem „Tarzan“- Medley von Phil Collins – für letzteres hatte Fabian Biermann eigens „Trash cans“ gebaut, mit deren Klängen das Publikum sich geradewegs an Lianen gemeinsam mit der Stadtkapelle durch die verschiedenen Musikpassagen schwang, so realistisch wurde die Thematik in den Festsaal gebracht. Weitere Höhepunkte gab es zum Ende des Programms: Johannes Heer interpretierte am Xylophon die anspruchsvolle Melodie Gustav Peters „Erinnerung an Zirkus Renz“ und im Duett mit Marco Hesse wurde anschließend mit Ukulele und Gesangseinlage „Yesterday“ als Einstimmung zu „The Best of Beatles“ performt, das den krönenden Abschluss des Winterkonzerts darstellte. Ohne Zugabe entließ das Publikum die Warsteiner Stadtkapelle jedoch nicht: Gemeinsam mit dem Jugendorchester verabschiedeten sich die Musiker mit der Melodie von „Herbei oh ihr Gläubigen“, passend zum ersten Adventswochenende. Der abschließende Dank galt Dirigentin Anna Knülle für Engagement und Ehrgeiz – besonders in den letzten vier Monaten der Konzertvorbereitung. Elisa Sobkowiak

Quelle: DW